
In meiner Kindheit und Jugend hatte ich das Glück, viel Zeit draußen in der Natur verbringen zu können. Die Jahreszeiten sowie die Pflanzen- und Tierwelt durfte ich bewusst erleben. Diese Verbundenheit und Achtsamkeit gegenüber den Geschöpfen von Mutter Erde begleiten mich bis heute.
Meine Neugier auf „die alte Zeit“ und die Frage, wie wir Menschen früher im Einklang mit der Natur gelebt haben, wuchs mit jeder Antwort, die ich fand. Besonders die Kultur des alten China hat mich fasziniert. Mit ihrer bis heute lebendigen Schrift hat sie ein umfassendes Wissen über das Leben mit der Natur bewahrt. Um diese Kultur tiefer zu verstehen, habe ich Ausbildungen in Taiji (Quan) und Feng Shui absolviert.
Mit der Zeit stellte sich mir eine weitere Frage: Wer sind meine Vorfahren und wie haben sie gelebt? Seit etwa 2008 beschäftige ich mich intensiv damit und suche leidenschaftlich nach Antworten. Mich faszinieren alte Rituale, Mythologien, Geschichten von Göttern sowie die Kraft und der Zauber der Runen. Auch der Schamanismus mit seinen Ritualen gehört für mich zu unserer Kultur – so selbstverständlich wie unsere Wälder, Berge und der Rhythmus der Jahreszeiten.
Irgendwann – zwischen Seminaren und meinem Selbststudium – wurde er spürbar: mein innerer Ruf nach einer eigenen Trommel.
Vielleicht kann das jemand nachvollziehen, der Ähnliches erlebt hat: Der Klang der Trommel und ihre Schwingungen im eigenen Körper tragen mich bis heute.
In einem schamanischen Seminar, das ich besuchte, gehörte auch ein Trommelbaukurs bei Manni dazu. Seine Art, Trommeln zu bauen, hat mich tief beeindruckt und meine Neugier neu entfacht. Dieses Erlebnis weckte auch den Modellbauer in mir, den ich schon als Kind in mir trug.
Mannis Arbeit empfand ich als sein Lebenswerk – ich wollte sie nicht kopieren, dafür schätzte ich sie zu sehr. Stattdessen begann ich, meine eigene Trommel zu bauen: mit eigenem Rahmen und einer eigenen Technik beim Formen des Trommelgriffs. Es blieb nicht bei dieser ersten Trommel. Neue Ideen und handwerkliche Entwicklungen ließen meine Trommelwelt stetig wachsen.
So entstand nach und nach meine heutige Arbeit. In den letzten Jahren ist es mir immer wichtiger geworden, den Materialien, die ich verwende, eine Herkunft und eine Geschichte zu geben.
Welches Holz wird für den Rahmen verwendet? Welche Eigenschaften trägt der „Pflanzengeist“ dieses Baumes in sich? Gibt es eine Verbindung zwischen Baum und Trommler? Vielleicht lebt ein alter Kirschbaum aus dem Garten der Großmutter weiter – als Trommelrahmen auf den Reisen der Enkelin.
Auch die Wahl der Tierhaut ist für mich von großer Bedeutung. Woher stammt das Tier? Wurde es geschlachtet oder gejagt? Auf viele dieser Fragen fand ich bei meinen ersten Bestellungen im Internet keine Antworten. Deshalb habe ich in den letzten Jahren verschiedene traditionell arbeitende Gerbereien in Deutschland besucht. Dort konnte ich Einblicke gewinnen und erfahren, dass jede Gerberei ihre eigene „Handschrift“ trägt – keine gleicht der anderen.
Heute erhalte ich für die meisten Häute genaue Informationen über ihre Herkunft. Vor Ort beim Gerber kann ich den Entstehungsprozess sehen, mit den Menschen sprechen und ein Gefühl für ihre Arbeit entwickeln. Es ist mir wichtig zu wissen, wo meine Materialien herkommen und wie sie verarbeitet wurden.
Inzwischen habe ich auch Kontakte zu Landwirten, die ihre Tiere – Kühe und Bisons – im Familienverband ganzjährig auf der Weide halten. Die Tiere werden ohne lange Transporte in ihrer vertrauten Umgebung geschlachtet, und das Fleisch wird direkt auf dem Hof verarbeitet und verkauft.
Mit diesen Häuten konnte ich mir ein Herzensprojekt erfüllen: Sie zu nutzen, anstatt sie der Entsorgung zu überlassen, und daraus Pergament für meine großen Mutter-Erde-Trommeln (auch „Mother Drums“ genannt) herzustellen – unabhängig von industriellen Gerbereien.
Besonders berührt hat mich das Feedback eines Gerbermeisters, der die Qualität dieser Häute lobte. Seine Worte waren:
„Man sieht der Haut an, dass die Tiere gut gelebt haben.“
Für mich ist das ein weiterer Grund, genau diese Materialien zu verwenden – insbesondere für meine großen Trommeln mit Durchmessern von 100 bis 165 cm.
Ein weiteres prägendes Erlebnis war die Verarbeitung eines Wildschweins aus heimischer Jagd. Die Begegnung mit diesem Tier in seiner ganzen Würde hat mir erneut gezeigt, wie wichtig Ehrfurcht und Respekt sind – Werte, die im heutigen Umgang mit Fleisch oft verloren gegangen sind.
Das Zerlegen des Tieres, die Verarbeitung des Fleisches für meine eigene Küche und das sorgfältige Abziehen der Haut, um sie später für eine Trommel zu verwenden, haben mir bewusst gemacht, dass dieser natürliche Kreislauf auch heute noch gelebt werden kann.
Jede Trommel, die gemeinsam mit mir – im Einzelsetting oder in kleinen Gruppen – entsteht, oder die ich in Absprache anfertige, hat für mich ein Gesicht, eine Stimme und eine Geschichte.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich keinen Online-Shop betreibe, in dem Trommeln anonym per Mausklick verschickt werden.
Meine Trommeln suchen keine Hüterin oder keinen Hüter – sie werden erwartet.
Mit trommelnden Grüßen
Antonius Poschner
Eine kurze Vorstellung meiner Person und meiner Leidenschaft von Trommelbau OWL.
